Abschieds-Zeremonie im Theravada-Buddhismus

Bestattung eines 5-jährigen Jungen

Diesen Bericht habe ich freundlicherweise von Lakkhana, einem praktizierenden Buddhisten der Theravada-Tradition erhalten:

Ich habe einige Jahre lang in unmittelbarer Nähe eines buddhistischen Klosters in den Niederlanden gelebt, um welches herum sich ein kleiner Sangha mit sehr überzeugten Buddhisten gebildet hat. Zu unserer Gruppe zählten auch ältere Menschen und etliche Ehepaare mit Kindern. Der Sohn eines Paares erkrankte im Alter von 5 Jahren an Blutkrebs und starb schließlich einige Monate später. Wir wurde natürlich alle zur Kremation eingeladen. Die Eltern hatte den Sohn zuhause aufgebahrt, damit jeder noch einmal Abschied nehmen konnte, was wir alle in kleinem Kreis, auch die ältere Schwester, sehr unbefangen tun konnten. Im Theravada Buddhismus gibt es bekanntlich nicht viele Zeremonien. Im Kremationsgebäude hatten sich anschließend dann an die 300 Menschen eingefunden, nämlich alle Schüler der Schule, die er besucht hatte und die meisten Eltern (in den Niederlanden werden die Kinder mit 4 Jahren eingeschult). Dort hat dann vor der Kremation “unser“ Mönch zunächst Paritta - Schutzrezitationen gesprochen, ich denke, es waren in jedem Fall die Metta-Sutta und die Mangala-Sutta. Während der Rezitation hörten alle andächtig zu und wir Laienanhänger haben leise (soweit wir es auswendig konnten) mitrezitiert. Danach folgte eine eindrucksvolle Rede über die Lehre des Buddha und dann wies unser Thera darauf hin, dass wir uns an all das Gute bzw. an gute fröhliche und wertvolle Begebenheiten, die wir mit dem Verstorbenen hatten, erinnern sollten. Er selbst brachte einige Beispiele aus eigenem Erleben, da er den Jungen ja seit seiner Geburt kannte. Er erläuterte dann auch, das sei in jedem Fall besser als die normalerweise übliche Trauerreaktion mit Tränen. Denn was geschieht normalerweise bei der Trauer um einen Verstorbenen? Wir betrauern uns selbst und unseren Verlust und beweinen nur uns selbst. Was würde der Verstorbene, wenn er uns jetzt (vielleicht von oben...) sehen könnte, davon halten? Dies wurde natürlich besonders vorsichtig und freundlich für die 95% der anwesenden Christen erklärt. Er erklärte dann weiter, dass es auch wichtig sei, dem Verstorbenen, wo immer er jetzt möglicherweise sei, gute und freundliche Gedanken mit auf den Weg zu geben! Dies würde ihm helfen. Dies wurde dann einige Minuten in Stille von Allen praktiziert und man konnte fast fühlen, wie sich der Raum bis unter die Decke mit Metta füllte. Ich habe selten so viele freundliche Kinderaugen gesehen wie bei dieser Kremation. Und ich denke, dass es insbesondere auch für die Christen ein überraschendes und beeindruckendes Erlebnis gewesen ist.

 

 

 

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